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In den Tiefen der Berge

Kaum ein Spalt ist ihnen zu eng, kaum ein Schacht zu tief und kaum eine Grotte zu gruselig. Thomas Hestermann kroch für den NDR gemeinsam mit den Höhlenfreunden von Hannover in die Düsternis des Deister.

Erwartungsvoll stehen wir vor einer Höhle an einem Hang des Deisters, der Hügellandschaft südlich von Hannover. Das Portal zur Unterwelt ist schmal - eine Hundehütte ist leichter zu betreten. Doch der Chef der Unterirdischen, im bürgerlichen Beruf Nachrichtentechniker, kann mich beruhigen: Klaus Tuschinsky ist seit 25 Jahren noch von jeder Tour zurück ins Sonnenlicht gekommen, und das ohne Blessuren. Meistens jedenfalls.

Klaus Tuschinsky: Fastunfälle oder beinahe Unfälle hatten wir schon mal ein paar, und ich hatte vor drei Wochen einen, da bin ich mit´m Stein aus der Wand gefallen, das war doch etwas heftig; seitdem kann ich neu Geburtstag feiern.

Schöne Aussichten also. Ich zwänge mich durch das enge Einstiegsloch und vorbei an der berüchtigten „Brustpresse“, wie die Höhlenfreunde sagen. Diese schmalste Stelle der Höhle ist nur seitwärts zu bezwingen, Leute mit dickem Bauch haben hier keine Chance. Durch einen Spalt im Boden blicken wir in die Tiefe, wo einige der Höhlenfreunde eine Etage tiefer entlang kriechen.

Klaus Tuschinsky: Wir befinden uns hier an der Stelle, wo es am tiefsten in der Höhle runtergeht, hier geht die Spalte noch mal drei Meter kletterbar runter, dann wird sie so schmal, daß wir nicht mehr weiterkommen, das spricht eigentlich alles dafür, daß wir hier eine Abrisskluft haben, das heißt, daß sich die Felsplatten etwas auseinander geschoben haben, und sich an dieser Abrisskluft die Höhle entwickelt hat.

Das Felsgewölbe ist von einer bräunlichen Masse überzogen, die aussieht wie Kerzenwachs, aber sich steinhart anfühlt. Mit diesem Kalkgemisch wächst die Höhle wieder zu, an manchen Stellen bilden sich Tropfsteine. Wasser perlt von der Decke, die Atemluft dampft. Sommers wie winters ist es etwa acht Grad kalt. Vorsichtig schiebe ich mich über eine Erdspalte. Kein Grund zur Besorgnis, meinen die Höhlenfreunde.

Klaus Tuschinsky: Das Abstürzen in dieser Höhle ist eigentlich unmöglich, weil sie ist so eng, dass kein Platz zum Fallen da ist.

Als ich endlich wieder zurück bin im Freien, atme ich tief durch. Höhlenfreunde wie die 13jährige Annika dagegen können von den unterirdischen Touren gar nicht genug bekommen.

Annika: Die Tropfsteine, die von oben runterkommen, das ist halt schön, das anzusehen, und also da durchzukriechen, ist einfach schön. Also, nur an manchen Stellen, wo man dann sieht, dass der Felsen so ein bißchen locker ist, da ist es schon ein bißchen gruselig, aber sonst eigentlich nicht.

Dr. Thomas Hestermann · Medienbüro Hannover · Tel. 0511 - 340 89 464 · Impressum